Massive Aktionen gegen Neckarbrücke geplant

Gegner wollen Planfeststellungsverfahren verhindern -
"Die Leute merken, dass sie verschaukelt werden"

Stuttgart - Seit Montag liegen die Pläne für die neue Neckarbrücke zwischen Remseck und Mühlhausen öffentlich aus. Bis zum 18. Oktober sind Einsprüche möglich. Die Arge Nord-Ost hat am Dienstag alle Brückengegner aufgerufen, dagegen Widerspruch einzulegen und dazu ihre Hilfe angeboten.

Joseph Michl ist guten Muts. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Nord-Ost e. V., der 50 Naturschützer, Grundstücksbesitzer und Landwirte sowie diverse Vereine aus Stuttgart, Kornwestheim, Remseck, Fellbach und Waiblingen angehören, rechnet nach der Protestkundgebung in der vergangenen Woche auf dem Schmidener Feld mit weiteren massiven Aktionen gegen den Bau der neuen Neckarquerung. Er und seine Mitstreiter sind bestens gerüstet, denn sie wollen mit allen Mitteln das Planfeststellungsverfahren stoppen und sind sicher, dabei von der Bevölkerung im Nordosten Stuttgarts unterstützt zu werden.

Akribisch hat sich der Computerfachmann und wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Hohenheim auf die Abwehrschlacht gegen die Pläne von Regierungspräsident Udo Andriof vorbereitet. Die fünf prallvollen Ordner mit Plänen, Untersuchungen und Gutachten zur so genannten C-Trasse werden auf Fehler abgeklopft. Denn es geht nicht allein um das bis zu 25 Meter hohe Bauwerk über den Neckar, sondern auch um die Erhaltung des fruchtbaren Schmidener Felds und den mutmaßlichen Einstieg in das Straßenbauprojekt Nordostring Stuttgart.

"Ich verstehe nicht, dass er sich das ein Jahr vor seiner Pensionierung noch antut", bedauert Michl beinahe den Regierungspräsidenten, hinter dessen Aktivitäten er starke Kräfte von Industrie und Wirtschaft vermutet. Gerade deshalb will er Andriof das Leben schwer machen. Nach Michls Auffassung wird es trotz Neckarbrücke und Nordostrings keine echte Verkehrsentlastung geben, sondern Fellbach, Remseck-Aldingen und Kornwestheim würden zusätzlich belastet. "Aber die Leute merken langsam, dass sie verschaukelt werden", assistiert ihm Nabu-Vorstandsmitglied Michael Eick.

Nicht nur die frühe Festlegung auf die Trasse C machte sie stutzig, auch das geringe Gefälle ("Unter vier Prozent, wie bei Bundesstraßen") mit tiefen Einschnitte ins Gelände oder der viel zu große Radius der Auffahrtsrampe zur Brücke sind für die Arge-Aktivisten Hinweise darauf, dass hier eine Schnellstraße entstehen soll. Mit allen Nachteilen für Natur und Mensch. "Da geht es nicht um Verkehrsentlastung, sondern um Zeitgewinn", kritisieren sie.

Deshalb der Rat an alle Betroffenen: Widerspruch einlegen, bevor es zu spät ist. Und wer das nicht selbst kann, dem helfen sie mit einem Muster-Formular weiter. "Wir legen aber Wert auf qualifizierte Einsprüche", betont Michl, der dazu noch als Berater einen namhaften Verwaltungsjuristen engagieren wird. Außerdem plant die Arge eine Serie von Abendveranstaltungen, bei denen sich Bürger informieren können.

Weitere Informationen unter: www.arge-nord-ost.de

Von Günther Jungnickl,
Stuttgarter Nachrichten vom 06.09.2006
www.stuttgarter-nachrichten.de

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